Einstellung der Corona-Tests für Reiserückkehrer, Lehrer und Erzieher

Liebe Patientinnen und Patienten,

wir führen ab dem 1.10.2020 KEINE Corona-Testungen mehr bei folgenden Personengruppen im Rahmen der Früherkennung durch:

  • Reiserückkehrer*innen
  • Erzieher*innen
  • Lehrer*innen

Kranke bzw. symptomatische Personen werden nach wie vor getestet. Bitte kommen Sie mit Fieber oder jeglichen Erkältungssymptomen nicht direkt in die Praxis, sondern kontaktieren Sie uns vorab per Telefon oder Mail.

Falls Sie einen Test benötigen, weil Sie zu einer der oben genannten Personengruppen gehören, müssen Sie sich ab jetzt über Testmöglichkeiten auf der Suchseite der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen informieren (Telefon 116117 oder http://arztsuchehessen.de mit dem Suchkriterium „Testung auf SARS-CoV 2“).

Gerne möchten wir Ihnen die Gründe für diese unpopuläre Entscheidung erläutern.

Wir hatten eingangs der Krise die Annahme, wir könnten den Öffentlichen Gesundheitsdienst durch unsere Bereitschaft zur Testung einfach und unbürokratisch entlasten. Zudem hofften wir, die herben finanziellen Einschnitte des zweiten Quartals aufgrund eines 20%-igen Rückgangs der Patientenzahlen durch die Vergütung der Tests kompensieren zu können.

Beide Hoffnungen haben sich nicht bestätigt.

So stellten sich die Tests als außergewöhnlich verwaltungsaufwändig heraus. Zum Schluss hatten wir, je nach Zählung, sieben bis acht unterschiedliche Arten, einen Coronatest durchzuführen bzw. zu verwalten. Dazu gehörten unterschiedliche Prüf- und Dokumentationsvorgaben, Abrechnungsziffern, Diagnosen, Abrechnungsstellen und sogar unterschiedliche Labore mit eigenen Materialien, die manuell beschrieben und beklebt werden mussten, während wir in unserem sonstigen Alltag bereits vollständig online arbeiten. Anfangs war die Finanzierung gänzlich ungeklärt, dann wieder wurden während der laufenden Tests Vereinbarungen widerrufen oder geändert, und alle betroffenen Fälle mussten erneut bearbeitet werden. Wichtige Stellen wie das Gesundheitsamt oder die Kassenärztliche Vereinigung waren uninformiert oder nicht erreichbar.

Wir beschafften Ausrüstung für ein improvisiertes Freiluft-Testzentrum mit Absperrung, Zelt, Heizpilz, Tisch, Entsorgungsmöglichkeit, Desinfektionssäule und Schutzkleidung. Zudem mussten wir auf eigene Kosten Verpackungs- und Versandmaterialien sowie Porto einkaufen. Die Befunde mussten durch uns manuell per Email oder Post an die Testpersonen übermittelt werden (Ausnahme: Reiserückkehrer*innen und Getestete nach Warnung durch die App – diese haben die Ergebnisse zeitgemäß per Push-Nachricht auf ihr Smartphone bekommen).

Klar, dass diese Verfahren sehr zeitaufwändig, aber auch fehleranfällig sind. Termine in der Regelversorgung mussten ausfallen, Personal war über lange Phasen gebunden. Dies führte zuweilen zu Unmut bei Patienten, Testpersonen und Mitarbeiterinnen.

Die Aufgabe der Testung wurde bei gleichbleibender Mitarbeiterzahl und neben der mittlerweile wieder in vollem Umfang weiterlaufenden Grundversorgung, dem Ausbildungs- und Lehrbetrieb durchgeführt. Obwohl viel Informationsaustausch per Email und vorgefertigte Formulare auf der Homepage vonstatten ging, wurde dennoch teils zwei bis drei Stunden täglich allein wegen der Tests telefoniert.

Das alles wäre unter Umständen noch hinnehmbar, wenn die Grundversorgung als unsere eigentliche Aufgabe nicht leiden müsste und wir die Möglichkeit hätten, durch eine angemessene Vergütung die dafür notwendige Mehrarbeit zu finanzieren. Dies wurde uns jedoch leider verwehrt. Die aktuelle Testvergütung deckt nur ca. ein Drittel der tatsächlich anfallenden Kosten ab.

Leider haben sich insgesamt sehr wenige Arztpraxen zu den Testungen bereiterklärt, so dass sich die große Anzahl Interessenten auf nur wenige Testpraxen verteilt.

Für den Winter rechnen wir zudem mit einem Anstieg der Arbeitsbelastung allein aufgrund der zu erwartenden Erkältungswelle, sodass wir der ebenfalls erwartbar steigenden Zahl an Testwünschen im Rahmen der Früherkennung nicht mehr Herr werden können.

Wir möchten für Sie primär als Hausärzte in der Grundversorgung da sein und müssen uns dafür den Rücken freihalten.

Wir bitten dafür um Ihr Verständnis.


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